25 Jahre Akkordeon-Club Reute e.V.

 

Vom (ausgefallenen) Akkordeonunterricht zum aktiven, anerkannten Verein

 

Im Jahre 1975 – fünf Jahre, nachdem die Beatles aufhörten gemeinsam zu musizieren – schlossen sich zwei Freunde zusammen: Paul A. und Bill G. Sie hatten die verrückte Idee, für die damals neu aufkommenden Heim-ComputerProgramme zu liefern. Das Geschäft kam richtig in Schwung, als 5 Jahre später ein großer Computer-Anbieter ein Betriebssystem brauchte, Paul und Bill hatten ebenfalls keines, deshalb kauften sie es und passten es den Wünschen der Computerfirma an. Und heute laufen fast 90% aller „persönlichen Computer“ mit diesem Programm – und Bill G(ates) ist steinreich.

 

Damals sang Udo Jürgens seinen kritischen Song „Ein ehrenwertes Haus“. Juliane Werding betätigte sich zungenbrecherisch „Wenn du denkst, du denkst“, Gitte verkündete, dass sie keinem Manne nachweint mit „So schön kann doch kein Mann sein...“, Heino besang seine „schwarze Barbara“. Das alles geschah 1975. Und noch mehr. In Reute jedenfalls kam es zur Gründung des Akkordeon-Club Reute e.V. Aber erst mal der Reihe nach.

 

Josef Asal mit dem 1. SchülerorchesterKein Abendunterricht. Seit Anfang der siebziger Jahre kam der Freiburger Akkordeonlehrer Josef Asal jede Woche einmal nach Reute, um nachmittags 10 bis 12 Jugendliche zu unterrichten. Nach einigen Jahren konnten die Älteren an diesem Nachmittagsunterricht nicht mehr teilnehmen, bedingt durch längere Schulzeiten oder weil sie eine Lehre begonnen hatten. Da Asal, vielbeschäftigt wie er war, in mehreren Nachbargemeinden Akkordeonunterricht gab und den Akkordeonorchestern der Akkordeon Gilde Freiburg, dem HHV Denzlingen und dem HHV Hinterzarten als Dirigent vorstand, konnte er in Reute keinen Abendunterricht anbieten. Die Eltern fragten sich deshalb: „Wie geht es weiter?“.

Alfred Mörder plädierte für die Gründung eines Vereins, da nur so die Arbeit erfolgreich fortgesetzt werden konnte, Deshalb sprach er die ebenfalls interessierten Jochen Meister, Rudolf Deuringer und Peter Gerken an. Diese diskutierten gemeinsam, ob das Interesse der Jugendlichen wohl ausreicht, um einen Verein zu gründen. Am 8. April 1975 fand zu diesem Thema im Gasthaus Hirschen in Reute eine Besprechung statt, an der Asal , Mörder, Meister, Gerken sowie Bürgermeister Anton Siegel teilnahmen. Bürgermeister Siegel unterstützte die Gründung eines Vereins.

 

Lehrer und Dirigent Asal teilte bei dieser Gelegenheit den Versammelten mit, dass er zur Zeit voll ausgelastet ist und keine Stunden frei hat, um mehr Unterricht in Reute durchzuführen. Als weiteren Ausbilder und Dirigent eines zu gründenden Orchesters schlug er den ihm bekannten Gottfried Kretschmer aus Bahlingen vor. Dieser dirigierte damals das Orchester des HC Waldkirch.

 

Um die Bevölkerung auf die Gründung eines Akkordeon-Clubs aufmerksam zu machen, organisierte man ein Werbekonzert am 21.Juni 1975. Der Gesangsverein unter der Leitung von Sütterlin unterstützte diese Veranstaltung. Unter der Stabsführung von Josef Asal spielten dabei die Akkordeongruppen aus Denzlingen, Hochdorf und Reute. Joachim Meister hatte mit einer Gruppe aus Reute eine kleine Mitternachtsshow unter dem Titel „Haifisch-Bar“ einstudiert. Die Zuschauer  waren begeistert.

 

Eine Woche später, am 28. Juni, fand eine Besprechung mit dem designierten Dirigenten Kretschmer statt. Es nahm Alfred Mörder, Joachim Meister und als Spielervertreter Daniel Mörder und Thomas Muser teil.

 

 

Gründungsversammlung mit 13 Spielern und 32 Interrasierten

 

Am 5. Juli 1975 fand schließlich die Gründungsversammlung im Gasthaus Waldeck in Reute statt. Dabei waren neben den 13 Akkordeonspielern noch 32 interessierte Mitbürger anwesend. Die Leitung der Versammlung übernahm Joachim Meister. Rektor Robert Leibel  übernahm die Leitung der Wahl zum Gründungsvorstand. GJoachim Meister und Pinocchio Thomas Deuringer als Ansager beim Konzertründungsvorsitzender wurde Joachim Meister, zu seinem Stellvertreter wurde Alfred Mörder gewählt. Die Kassenführung übernahm Peter Gerken, Schriftführer wurde Rudolf Deuringer. Walter Thaller und Wolfgang Winterhalter wurden passive Beisitzer; Thomas Muser und Joachim Winterhalter repräsentierten die Spielerseite.

 

Der frisch gewählte Vorsitzende beschloss die Versammlung mit dem Wunsch: „Am liebsten hätte ich alle Anwesenden in der Vorstandschaft“ – und bat um aktive Mitarbeit , damit der junge Verein wachse und gedeihe.

 

Die erste Aktivität des jungen Vereins war ein Adventsbasar am 30. November 1975 im Kindergarten . J. Meister konnte dafür von einer Firma einen großen  Posten Steiff-Tiere in verschiedenen Größen bekommen. Daneben wurde ein Flohmarkt mit gebrauchten Spielsachen eingerichtet. Für die Verpflegung der zahlreichen Besucher errichteten die Eltern der Spieler eine Kaffeestube,  und die Akkordeongruppe spielte zur Unterhaltung. Durch den großen Zuspruch seitens der Bevölkerung konnten 1458 Mark eingenommen werden. Eine beträchtliche Summe. Und das 1975! Das Geld bekam der örtliche Kindergarten.

 

Vier Wochen später, am 27. Dezember 1975, veranstaltete der Akkordeon-Club sein erstes Konzert. Als Gäste wirkten der HC Waldkirch unter der Leitung von Gottfried Kretschmer und der Männergesangsverein Reute mit seinem Dirigenten Rektor Robert Leibel mit. Zur Programmauflockerung hatte Joachim Meister von den Städtischen Bühnen Freiburg den Tenor Dieter Schnerring engagiert. Durch das Programm führte Joachim Meister, unterstützt von Thomas Deuringer als Pinocchio.

 

In den ersten Jahren der Vereinsgemeinschaft fanden die Vorstandssitzungen immer bei Rudolf Deuringer in der Glotterhöhle statt. Dabei wurde meist lange diskutiert -  bis Mitternacht und noch länger.

 

 

Der erste Ausflug...

 

...des Vereins wurde am 27. Oktober 1976 durchgeführt. Mit dem Bus ging es ins Elsass. Dort wanderte der Verein auf den Großen Belchen, von wo man einen schönen Blick auf den Schwarzwald hat. Am Nachmittag ging es nach Kaysersberg, zu einem Treffen mit dem Auftritt des Gründungsorchesters beim Ausflug nach Kaysersberg / Elsassdortigen Akkordeonclub und der Trachtengruppe. Der Akkordeon-Club Reute wurde vom Kaysersberger Bürgermeister im Rathaus empfangen. Im historischen Saal musizierten beide Orchester und die Trachtengruppe führte einige Tänze vor.

 

Bei diesem gelungenen Nachmittag herrschte eine herzliche Stimmung, so dass der Akkordeon-Club Echo du Château Kaysersberg am 17.September 1977 einen Gegenbesuch machte. Beim gemeinsamen Konzert bot sich ein buntes Bild, da die Trachtengruppe zur Akkordeonmusik viele Tänze aufführte. Leider war der Zuspruch zu diesem Konzert schlecht – trotz intensiver Werbung, die Badische Zeitung brachte einen langen Bericht mit Bild. Durch den Tod des Vorsitzenden des AC Kaysersberg wurde diese Verbindung leider abgebrochen.

 

IDer erste Fastnachtswagen des ACR 1976m Jahre1976 beteiligte sich der Akkordeon-Club zum ersten Mal bei der Fasnacht der ebenfalls 1975 gegründeten Vereinsgemeinschaft, in die der Verein dann im Jahre 1977 aufgenommen wurde. Im Hof von Alfred Mörder baute man wochenlang mit sehr viel Aufwand ein großes Schiff: „Die Glotterlinie“. Dabei waren die handwerklichen Fähigkeiten von Rudolf Deuringer und Walter Thaller maßgebend für den gelungenen Wagen. Als Beitrag zum Bunten Abend führten unsere Mädchen den „Schornsteinfeger-Tanz“ auf, den J. Meister einstudiert hatte.

 

 

Ein neuer Vorsitzender

 

Bei der Generalversammlung am 12. März 1977 gab es eine einsschneidende Änderung für den Verein. Peter Gerken wurde zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Den zweiten Vorstand übernahm Joachim Meister. Schriftführer blieb Rudolf Deuringer und Alfred Mörder übernahm die Finanzverwaltung. Als passive Beisitzer wurde Walter Thaller und Wolfgang Sutter gewählt, aktive wurden Klaus Meßmer und Joachim Meister.

 

Peter Gerken als neugewählter Vorsitzender 1977Der neugewählte Vorsitzende Gerken organisierte am 28. August den ersten großen Ausflug des Vereins. Bei diesem Ausflug ins Neckartal bekam der Verein mehr Anmeldungen als er Mitglieder hatte! Mit dem Bus fuhr man nach Heidelberg, wo man auf ein Schiff umstieg. Auf dem Neckar fuhr man flussaufwärts über Neckarmündung, Dilsberg, die große Neckarschleife mit den Burgen bei Neckarsteinach über Eberbach nach Gundelsheim. Auf der Burg Guttenberg nahm man an einer Greifvogelvorführung teil. Den Ausflüglern bot sich ein wunderbarer Blick auf den Neckar und die gegenüberliegenden Burg Hornberg des Grafen Götz von Berlichingen mit den Rebbergen. Den Abschluss verbrachte man im Fachwerkdorf Bad Wimpfend. Damit solche Ausflüge und das sonstige Vereinsgeschäft durchgeführt werden konnten, führte der Verein zur Aufbesserung der Vereinskasse im Frühjahr und herbst Tanzveranstaltungen mit den Kapellen „Airport“, „California“, „Morenas“ und „Mirage“ durch.

 

Vereinsausflug in Neckartal 1977Eine feste Einrichtung der Freizeitgestaltung in den ersten Jahren waren die vielen „Meister“haft organisierten Radwanderungen. Dabei suchte er immer interessante Touren aus, die nie langweilig wurden. Meistens ging es durch weiche Waldwege hoch hinauf. Zum Beispiel auf die Schelinger Höh oder ins Föhrental, so dass man die Räder öfters mal schieben musste. Dabei versorgte Rudolf Deuringer uns stets mit seinem VW Bus.Grillpause bei einem der Radausflüge

 

Die weitere Ausbildung von Akkordeonschülern durch Josef Asal brachte es mit sich, dass fortgeschrittene Schüler gerne im Orchester mitspielen wollten. Da ihr Leistungsvermögen  für das Orchester aber noch nicht ausreichte, gründete der Verein 1979  ein Jugendorchester, das Gottfried Kretschmer in Räumen der Schule leitete.

 

Eine einschneidende Veränderung in der Probearbeit der beiden Orchester ergab sich, als sie zusammen mit den anderen kulturellen Vereinen 1980 in den neuen Proberaum hinter der Halle einzogen. Dessen  Innenausbau hatten die kulturellen Vereine gemeinsam  in vielen Abend- und Wochenstunden durchgeführt.

 

Grillpause bei einem der RadausflügeEinen der ersten Auftritte hatte das neugegründete Jugendorchester am 21. März 1981: Zusammen mit dem Hauptorchester gratulierte es dem Gründungsvorsitzenden Joachim Meister zu seinem  50. Geburtstag.

 

 Beim Ständchen zum 50. Geburtstag des Gründungsvorsitzenden Joachim Meister

Die nächsten Jahre

 

In den kommenden Jahren spielte sich das Vereinsleben im Jahr und das Mitwirken in der Gemeinde langsam ein.  Der Akkordeon-Club Reute veranstaltete pro Jahr immer zwei Konzerte:  ein Frühjahrs- und ein Adventskonzert. Neben den Darbietungen des Jugend- und Hauptorchesters beim Frühjahrskonzert, die ein Spiegelbild ihrer Arbeit wiedergeben, spielte an diesen Abendkonzerten immer ein Gastorchester.

 

Die Adventskonzerte sind immer gut besucht. An diesen Nachmittagsveranstaltungen können unsere Akkordeonschüler ihr Erlerntes ihren Eltern, Geschwister und Großeltern zeigen. Da die Kinder nicht über das gesamte Konzert ruhig sitzen können und um den Besuchern ein weitgehend ruhiges Konzert bieten zu können, bereitet der Verein stets für die Kleinen ein eigenes Programm vor. Neben lustigen Kinderfilmen studierte Joachim Meister mit den Kindern Singspiele, wie die „Struvelpeterkantate“ oder „Die Bremer Stadtmusikanten“, ein. Sie wurden zum Abschluss des Programms aufgeführt.

 

Nikolausbesuch beim Adventskonzert 1989Seit 1991 organisierte Rita Kretschmer Bastelaktionen, die sehr großen Anklang finden. Mit ihren Helferinnen bereitet sie sich schon Woche vorher auf die Aktion vor.

 

Bereichert wurden die Adventskonzerte anfangs mit Basars. Diese wurden aufgrund der konkurrierenden Aktivitäten anderer Institutionen – wie der evangelischen Kirchengemeinde, dem Kindergarten oder dem Weihnachtsmarkt des Musikvereins – vorerst eingestellt.

 

Neben den beiden Konzerten spielen die Aktiven während des Jahres auch noch bei diversen anderen Anlässen und bereiten sich auf Wertungsspiele vor.

 

 

Nach dem zehnjährigen Bestehen ...

 

... 1985 traten die passiven Vorstandsmitglieder Meister, Deuringer, Thaller und Schneider zurück, um der „Jugend“ Platz zu machen. Bei den Wahlen zur Vorstandschaft erhält Peter Gerken mit Thomas Muser und Klaus Meßmer gleich zwei Stellvertreter. Mit Frau Weißer bekommt der Verein eine neue Schriftführerin und Winfried Stößer wird neuer passiver Beisitzer. Die Finanzen verwaltet, wie schon seit Jahren , Klaus Deuringer.

 

Um die erfolgreichen Einnahmen auch weiterhin sichern zu können, veranstaltete der Verein Tanzveranstaltungen. Diese haben sich im Laufe der Zeit verändert. In neuer Form als „Rollende Discos“ wird der Jugend die gewünschte Unterhaltung geboten – wobei Vorstandsmitglieder beim Bewirten am liebsten Ohrenschützer aufsetzten würden.... Ein untrügliches Indiz, dass es bei der Jugend ankommt.

 

 

In den neunziger Jahren...

 

... gab es zwei große Veränderungen im Verein. Zum einen gab Peter Gerken bei der Generalversammlung am 21.03.1992 aus gesundheitlichen Gründen den ersten Vorsitz ab, erklärte sich aber bereit, weiter aktiv in der Vorstandschaft mitzuarbeiten.  Bei der anschließenden Wahl wird Thomas Muser zum ersten Vorsitzenden gewählt und erhält zwei Stellvertreter: Daniela Schwitzer und Florian Siegel. Als erste Amtshandlung ernennt Muser Peter Gerken zum Ehrenvorsitzenden, als Dank für seine 17-jährige Vorstandsarbeit.

Die zweite große Veränderung fand beim Frühjahrskonzert am 4. Mai 1996 statt. Bei seinem Abschiedskonzert übergibt Gottfried Kretschmer nach 21 Jahren den Dirigentenstab an Florian Siegel. Seit diesem Zeitpunkt leitet er beide Orchester. An diesem Abend wird Kretschmer vom ersten  Vorsitzenden Muser zum Ehrendirigenten ernannt. Kretschmer bekam in einer Laudatio Dank nicht nur für die ausgezeichnete musikalische Arbeit, die er in zwei Jahrzehnten geleistet hat. In dieser zeit hat sich Kretschmer auch stets um die Freizeitgestaltung und Kameradschaft beider Orchester gekümmert.

 

Durch dieses Ausscheiden unseres langjährigen Dirigenten und die Übernahme beider Orchester durch Florian Siegel übernimmt Norbert Heiny 1997 das Amt des zweiten Vorsitzenden.

 

Ein ereignisreicher Zeitraum diese 25 Jahre, die auch in einem Ort wie Reute einiges verändert haben. Für die Menschen sind die „nahen“ Ereignisse mindestens so wichtig wie die großen, die (angeblich) die Welt verändern. Insbesondere, wenn viel Idealismus im Spiel ist. Auch heut noch, im Zeitalter des überall gegenwärtigen Bill G.